Entscheidungstabellen
Die Entscheidungstabelle stellt die verschiedenen logischen Elemente systematisch getrennt in 4 Quadranten dar:

Links oben: Liste der Bedingungen

Im Gegensatz zu Texten oder Diagrammen kann man hier direkt ablesen und prüfen
-
Wie viele und welche Bedingungen werden verwendet?
-
Fehlen Bedingungen?
-
Sind Bedingungen nicht korrekt formuliert oder gar überflüssig?
Anzahl der Anwendungsfälle schon jetzt erkennbar!
Bereits die Liste der Bedingungen genügt schon, um durch Multiplikation der Anzahl der Bedingungswerte die Anzahl der theoretisch maximal möglichen Fallunterscheidungen abzuleiten, in unserem Beispiel sind das 48 Fälle:
Bedingungen |
Werte |
Fälle |
||
|---|---|---|---|---|
B01 |
Saldo? |
<0, 0, >0 |
3 |
3 |
B02 |
Mahnfrist erreicht? |
J, N |
2 |
6 |
B03 |
VIP-Kunde? |
J, N |
2 |
12 |
B04 |
Bagatellbestandsprämie? |
J, N |
2 |
24 |
B05 |
Vorgangsart? |
EP, FP |
2 |
48 |
Links unten: Liste der Aktionen

Auch hier kann man direkt ablesen und prüfen:
-
Wie viele und welche Aktionen sind enthalten?
-
Fehlen Aktionen?
-
Sind Aktionen nicht korrekt formuliert oder gar überflüssig?
Rechts: Für jeden Fall eine Regelspalte
Eine Regel beschreibt, welche Bedingung oder Kombination von Bedingungen zur Ausführung welcher Aktion oder Folge von Aktionen führt.
Erste Regel
Wenn ein Saldo kleiner Null vorliegt, dann soll nur ein Protokolleintrag erfolgen:

Im Gegensatz zur aufwändigen Erstellung und Pflege von Texten oder Diagrammen werden bei Entscheidungstabellen die Regeln einfach mit wenigen Mausklicks erstellt oder verändert.
|
Minuszeichen in den Regelzellen heißen Irrelevanzanzeiger. Sie zeigen an, dass die jeweilige Bedingung oder Aktion in der Regelspalte ohne Bedeutung ist. Regelspalten mit als irrelevant gekennzeichneten Bedingungen, decken dabei mehr als eine Regel ab. Allein die Regelspalte R01 deckt schon 16 mögliche Bedingungskombinationen ab. |
Die fertige Tabelle
Mit nur 8 Regelspalten werden in unserem Beispiel alle Kombinationsmöglichkeiten der Bedingungswerte abgedeckt. Bei entsprechender Werkzeugunterstützung inklusive garantierter Vollständigkeit, Redundanz- und Widerspruchsfreiheit.

Prüfen Sie selbst, wie klar und schnell bestimmte Sachverhalte in der Entscheidungstabelle geprüft werden können - insbesondere auch im Vergleich zum Text:
-
Unter welchen Umständen wird ein Protokolleintrag erstellt?
-
Wann soll keine Aktion ausgeführt werden?
Hier nochmal der ursprüngliche Text zum direkten Vergleich:
Wenn kein Saldo feststellbar ist, erfolgt keine Aktion. Ist ein Saldo kleiner als Null vorhanden (Guthaben, Überzahlung), so ist dies als Protokolleintrag festzuhalten. Wenn die Mahnfrist noch nicht erreicht ist, erfolgt auch bei vorhandenem Saldo keine Aktion. Ist ein Saldo feststellbar und die Mahnfrist ebenfalls erreicht, dann wird bei 'VIP'-Kunden nur ein Protokolleintrag ausgeführt. Bei allen anderen Kunden ist zu unterscheiden, ob es sich bei dem offenen Betrag um eine Bagatellbestandsprämie handelt oder nicht:
Handelt es sich bei dem offenen Betrag nicht um eine Bagatellbestandsprämie, so muss ebenfalls wieder zwischen den beiden möglichen Vorgangsarten unterschieden werden:
|
Fazit
Entscheidungstabellen haben bei der Beschreibung logischer Zusammenhänge gegenüber anderen Darstellungsformen zahlreiche Vorteile:
-
Sehr kompakte und klare Darstellung
-
Sehr gute Übersicht, insbesondere auch bezüglich der Mengengerüste
-
Das Arbeiten mit und an den Regeln ist viel weniger anstrengend und ermüdend als dies z.B. bei Texten oder Diagrammen der Fall ist
-
Durch den leicht erreichbaren hohen Detaillierungsgrad ist auch das Risiko für Missverständnisse stark reduziert
-
Maschinell sehr gut prüfbar, ggf. sogar mit automatischer Ergänzung von noch fehlenden Regeln
-
Maschinell auch sehr gut weiter verarbeitbar: Programm- und Testfallgenerierung
